Ilshofen freut sich auf die höhere Spielklasse

Abenteuer Oberliga Baden-Württemberg

Er brauche noch etwas Zeit, um vollkommen zu realisieren, was seine Mannschaft da geschafft habe, sagt Ralf Kettemann einen Tag nach dem historischen Aufstieg seines TSV Ilshofen. Der Spielertrainer wartet gestern am Flughafen auf den Flieger nach Mallorca, wo ein Großteil der Mannschaft den Triumph feiert.

„Ich war noch nie so fertig wie gestern nach dem Spiel gegen Freiburg“, gibt Kettemann zu. Die Nacht sei zwar kurz gewesen, aber nicht wegen des Alkohols, da Kettemann nicht getrunken habe, sondern wegen der Müdigkeit nach der kräftezehrenden Partie. Während draußen die Ilshofener Spieler eine halbe Stunde nach Spielschluss weiter mit den Fans feiern, muss sich Kettemann in der Kabine von den Strapazen erholen.

Den Eindruck von außen, dass der Spielertrainer schon gegen Ende der regulären Spielzeit im roten Bereich gewesen ist, bestätigt Ralf Kettemann am Telefon. „Es waren dann in der Verlängerung eben der Wille und das Adrenalin, das einem hilft, sich weiter in die Zweikämpfe zu werfen. Und der eingewechselte Ramazan Kandazoglu hat noch mal viel Energie reingebracht.“

Bei seinem Elfmeter zum 2:1 in der 108. Minute hat Kettemann seine Nervenstärke bewiesen. Mit einem satten Flachschuss ins linke Eck hat er dem Freiburger Torwart keine Abwehrchance gelassen. „Ich trainiere das öfters. Ich wollte ihn unten reindonnern. Bei der Ausführung war ich im Tunnel und voll konzentriert. Vielleicht hat es geholfen, dass es das Tor zum 2:1 war und nicht zum entscheidenden 3:1. Vielleicht hätte ich mir dann mehr Gedanken gemacht“, beschreibt Ralf Kettemann seine Gefühlswelt vor dem Strafstoß.

Insgesamt habe sich sein Team verdient gegen den Freiburger FC durchgesetzt, meint Kettemann, wenngleich er anmerkt, dass es ein ausgeglichenes Duell mit den Breisgauern gewesen ist. „Aber zweimal überlebenswichtige Tore in der letzten Minute zu schießen, an so etwas kann ich mich auch nicht erinnern.“ Der Glaube und das Glück hätten mit Sicherheit eine Rolle gespielt dabei. „Aber wir haben im Laufe der Saison mehrmals späte Tore gemacht. Das hat am Sonntag bestimmt auch geholfen, weiter daran zu glauben.“

Aber selbst nach dem größten Tag der Ilshofener Fußballgeschichte sagt Kettemann einen Satz, der zunächst paradox erscheint. „Ich habe mehr von uns erwartet.“ Trotz des Aufstiegs in die Oberliga habe er das Gefühl, dass die Mannschaft noch besser hätte spielen können. Erst gegen Ende der Saison habe das Team sich noch mal zusammengerafft und die Schwächephase zu Beginn der Rückrunde zumindest mit dem Relegationsplatz 2 in der Verbandsliga wettgemacht. „Jeder Einzelne hat dann sein eigenes Wohl dem Team untergeordnet. Das war vorher vielleicht nicht immer so. Erst gegen Ende hat es dann jeder kapiert“, so Kettemann.
Kurze Vorbereitung

Nach den Tagen auf Mallorca richtet sich der Fokus dann auf das „Abenteuer“ Oberliga. „Weil dort der erste Spieltag nochmals eine Woche früher stattfindet, werden wir quasi nur drei Wochen Vorbereitung haben“, erläutert der Spielertrainer. Der Aufsteiger wird dann nicht mehr in der Favoritenrolle sein wie noch in der Verbandsliga. „Darauf freue ich mich auch irgendwie. Wir werden bestimmt mehr Räume haben als bislang. Wir haben nichts zu verlieren.“ Dennoch ist es Kettemann klar, dass das Niveau in der Oberliga ein anderes sein wird. „Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel Neckarsulm mit seiner hohen Qualität am Ende Zehnter wird, dann sagt das schon viel über die Oberliga aus.“

Das Gesicht der Ilshofener Mannschaft wird sich verändern. Stammspieler wie Maximilian Gebert (nach Neckarsulm), Paul Weber (TSG Backnang), Kapitän Jannis Gehring (pausiert) und der Siegtorschütze gegen Freiburg, Andrey Nagumanov (Spielertrainer TSV Obersontheim), verlassen unter anderem den Verein. „Wir werden nächste Saison mit einem kleinen Kader arbeiten“, verrät Kettemann. Vier Feldspieler und ein Torwart haben für die neue Saison zugesagt – unabhängig vom Ausgang der Relegation gegen Freiburg. „Mir ist wichtig, dass die Spieler zu uns wollen und das nicht nur von der Liga abhängig machen.“ Namen will Kettemann noch nicht verraten, weil die Unterschriften noch fehlen. „Vielleicht können wir nächste Woche schon was bekannt geben.“

Autor: Viktor Taschner / Haller Tagblatt