Abenteuer Oberliga beginnt mit einer Willensleistung

SSV Reutlingen 1905 Fußball – TSV Ilshofen 1:1 (0:1)

Ein Fehlpass hier, eine missglückte Ballannahme da. Ein wenig nervös waren die Schützlinge von Ralf Kettemann schon zu Beginn der Partie. Das junge Team, in dem überhaupt erst drei Spieler zuvor Oberligaerfahrung sammeln konnten, brauchte im imposanten Reutlinger Stadion an der Kreuzeiche vor 1.100 Zuschauern ein paar Minuten, um zum eigenen Spiel zu finden. Umso bemerkenswerter war es dann, wie die Mannschaft agierte, nachdem sie merkte, dass sie mit dem großen SSV Reutlingen mithalten konnte. Mit einer gewissen Selbstverständlichkeit lief der Ball in der Folge in den eigenen Reihen. Es entwickelte sich ein gutes Spiel auf Augenhöhe, indem der TSV Ilshofen sogar die besseren Möglichkeiten hatte. Die beste Chance ließ Lukas Lindner nach etwas mehr als 20 Minuten jedoch freistehend liegen. Der junge Stürmer, der nach der vergebenen Chance zu Boden sank und die Hände vors Gesicht schlug, sollte noch von sich reden machen. Wenige Minuten später führte Ralf Kettemann in der eigenen Hälfte einen Freistoß schnell aus und zwang SSV-Torhüter Milan Jurkovic damit aus seinem Kasten. Dieser klärte zunächst, verpasste dann aber den Weg zurück zu seinem Tor. Die Bogenlampe des Keepers landete über Umwege vor den Füßen von Lindner, der blitzschnell reagierte und den Ball aus 20 Metern ins leere Tor hob. Sekunden danach war das Eigengewächs, das sich damit als erster Oberligatorschütze in die Vereinschroniken schrieb, unter der Jubeltraube seiner Mitspieler begraben. Sein Trainer freute sich besonders über den Torschützen: „Wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass wir heute Oberliga spielen und ein Eigengewächs das erste Saisontor schießt, hätte ich die Person bis heute nicht ernst nehmen können. Das ist ein Traum und muss ein Zeichen für unsere Jugendspieler sein.“
Auf Reutlinger Seite trieb Trainer Teo Rus seine Mannen zwar immer wieder engagiert von der Seitenlinie an, doch so richtig gefährlich wurden sie im ersten Abschnitt nicht mehr. Nach der Halbzeitpause traten die SSV-Akteure wie zu erwarten deutlich bemühter auf. Und sie wurden tatsächlich gefährlicher. Der eingewechselte Dominic Sessa knallte den Ball in der 55. Minute an die Latte. Fünf Minuten später gab es sogar Handelfmeter für die Hausherren. TSV-Verteidiger Baba Mbodji wollte einen Schuss blocken, dabei sprang ihm der Ball im Strafraum an die Hand. Für ihr war das Spiel zudem mit dieser Aktion beendet, da er bereits mit Gelb verwarnt war. Den fälligen Strafstoß von Marcel Avdic hielt Jonas Wieszt jedoch fest. So konnte der TSV zwar den Ausgleich verhindern, musste aber die nächsten 30 Minuten in Unterzahl bestreiten. Die Gastmannschaft wehrte sich gegen immer mehr aufkommende Reutlinger nach Kräften, konnte aber den Ball selten für längere Zeit in den eigenen Reihen halten. „Wir hatten zu wenig Ballbesitz, der Ball war zu schnell weg, was daran lag, dass wir schnell müde wurden.“ Aber damit musste nach der kurzen Vorbereitung zu rechnen sein, so Kettemann. Das Spielgeschehen wurde so immer spannender. Ilshofen verteidigte mit tollem Einsatz die knappe Führung. Die Heimelf vom SSV trug vor allem über ihre linke Seite durch das starke Gespann Raphael Schneider und Tom Patrick Schiffel Angriff um Angriff vor. Immer mehr griff auch das stimmungsvolle Publikum ein und peitschte die Hausherren voller Inbrunst nach vorne. Der Aufwand auf und neben dem Feld trug schließlich Früchte für die Reutlinger. Dominic Sessa zog in der 82. Minute energisch in den Strafraum und vollendete die Ablage von Onesi Kuengienda trocken zum Ausgleich. Frenetischer Jubel auf der einen Seite, ein geplatzter Traum auf der anderen. Doch auch wenn Ilshofen den ehemaligen Zweitligisten bis kurz vor Spielende am Rande einer Niederlage hielt, war es am Ende doch ein gewonnener Punkt. Ralf Kettemann zeigte sich „absolut zufrieden“ über den Auftakt ins Abenteuer Oberliga. Er war vor allem „echt stolz auf das Auftreten der Jungs. Das muss Mut geben und Anreiz für mehr sein.“

Tore: 0:1 Lukas Lindner (25.), 1:1 Dominic Sessa (82.)

Besondere Vorkommnisse: Jonas Wieszt hält Handelfmeter (60.), Gelb-Rote Karte für Baba Mbodji (60.)

TSV Ilshofen: Jonas Wieszt, Maximilian Egner, Ralf Kettemann, Lamar Yarbrough, Marcel Hossner (57. Lukas Lienert), Baba Mbodji, Carl Murphy, Lukas Lindner (54. Sangar Aziz), Florian Weidner (74. Moritz Lindner), Simon Wilske (83. Lars Fischer), Daniel Schelhorn

Schiedsrichter: Philipp Schlegel (Ehingen)

Unter https://www.youtube.com/watch?v=59YnI-rmxmQ gibt es das Tor des TSV!